Welche kommunikativen Techniken und Verhaltensweisen tragen im Sicherheitsdienst maßgeblich zur Deeskalation in einer spannungsgeladenen Konfliktsituation bei?
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Richtige Antworten: A, C
Im Sicherheitsgewerbe nach § 34a der Gewerbeordnung (GewO) und der Bewachungsverordnung (BewachV) ist die Deeskalation eine der wichtigsten Kernkompetenzen eines Sicherheitsmitarbeiters. Das Ziel ist es, Konflikte gewaltfrei zu lösen und die Situation zu beruhigen, bevor es zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt. In dieser Frage geht es darum, welche kommunikativen Werkzeuge dafür am besten geeignet sind.
Warum sind die Antworten A und C richtig?
1. Aktives Zuhören durch Paraphrasieren (Antwort A): Aktives Zuhören bedeutet, dem Gegenüber volle Aufmerksamkeit zu schenken. Das Paraphrasieren ist eine Technik, bei der man das Gehörte in eigenen Worten kurz zusammenfasst (z. B.: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie sich über die lange Wartezeit ärgern?“). Dies signalisiert Wertschätzung und stellt sicher, dass keine Missverständnisse vorliegen. Es nimmt oft den ersten Druck aus der Situation, da sich der Aggressor ernst genommen fühlt.
2. Verwendung von Ich-Botschaften (Antwort C): Anstatt dem Gegenüber Vorwürfe zu machen, beschreibt man bei Ich-Botschaften die eigene Wahrnehmung oder Gefühle (z. B.: „Ich nehme wahr, dass das Gespräch gerade sehr laut wird, und das macht es mir schwer, Sie zu verstehen.“). Dies wirkt weniger bedrohlich als ein direkter Angriff und verhindert, dass das Gegenüber sofort in eine Verteidigungshaltung geht.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Antwort B (Wertende Du-Botschaften): Sätze wie „Du bist schuld“ oder „Sie benehmen sich unmöglich“ sind Angriffe auf die Persönlichkeit. Sie führen laut der Konfliktforschung (z. B. nach dem Modell von Friedrich Glasl) fast immer zu einer weiteren Eskalation, da das Gegenüber sein „Gesicht wahren“ möchte und zum Gegenangriff übergeht.
- Antwort D (Erhöhung der Lautstärke/Dominanz): Wer schreit, verliert die professionelle Distanz. Dominanzgehabe provoziert bei aggressiven Personen oft eine „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion. Im Sinne des § 34a GewO soll der Sicherheitsmitarbeiter jedoch deeskalierend wirken und nicht durch eigenes Fehlverhalten Öl ins Feuer gießen.
- Antwort E (Direktive Gesprächsführung/Befehle): Befehle erzeugen Widerstand. In einer spannungsgeladenen Situation führen sie zur Unterwerfung oder zur Rebellion. Deeskalation setzt jedoch auf Kooperation und das Anbieten von Wahlmöglichkeiten, um die Kooperationsbereitschaft zu fördern.
- Antwort F (Ignorieren/Entzug des Blickkontakts): Jemanden zu ignorieren ist eine Form der psychischen Abwertung. Es ist eine massive Provokation, die die Wut des Gegenübers meistens steigert, da er sich nicht beachtet fühlt.
Rechtlich gesehen schützt eine erfolgreiche Deeskalation den Mitarbeiter auch vor strafrechtlichen Konsequenzen. Werden Konflikte frühzeitig kommunikativ gelöst, muss gar nicht erst geprüft werden, ob eine Notwehrsituation (§ 32 StGB) oder ein rechtfertigender Notstand (§ 34 StGB) vorliegt. Professionelles Verhalten ist zudem eine vertragliche Pflicht aus dem Bewachungsvertrag (§ 611 BGB i.V.m. BewachV).
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