In einer hitzigen Diskussion mit einem aggressiven Kunden merken Sie plötzlich, dass Ihr Herz rast, Ihre Hände schwitzen und Sie einen Tunnelblick bekommen. Was passiert hier?
Richtige Antwort: C
In der beschriebenen Situation erleben Sie eine klassische biologische Alarmreaktion Ihres Körpers. Wenn Sie in einer hitzigen Diskussion mit einem aggressiven Kunden stehen, stuft Ihr Gehirn (insbesondere das limbische System) die Situation als Bedrohung ein. Dies löst die sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion (Fight-or-Flight) aus. Dabei werden Hormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, die den Körper auf eine körperliche Höchstleistung vorbereiten. Das Herzrasen dient dazu, die Muskeln schneller mit Sauerstoff zu versorgen, während das Schwitzen der Kühlung des Körpers dient. Der Tunnelblick ist eine Konzentrationsleistung des Gehirns: Unwichtige Reize am Rand werden ausgeblendet, um die vermeintliche Gefahr im Zentrum fixieren zu können. Im Sicherheitsgewerbe ist das Erkennen dieser Symptome gemäß § 34a GewO (Gewerbeordnung) und der Bewachungsverordnung (BewachV) von zentraler Bedeutung, da Stress die Urteilsfähigkeit trüben kann.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Antwort A (Entspannung) ist falsch, da Entspannung durch einen niedrigen Puls, ruhige Atmung und lockere Muskeln gekennzeichnet ist – das genaue Gegenteil der beschriebenen Symptome.
- Antwort B (Langeweile) und Antwort D (Unterforderung) sind falsch, da diese Zustände eher zu Schläfrigkeit, Unkonzentriertheit oder dem Suchen nach Ablenkung führen, aber keine akuten körperlichen Stressreaktionen wie Herzrasen auslösen.
- Antwort E (Allergische Reaktion) ist medizinisch nicht haltbar, da eine Allergie meist mit Juckreiz, Schwellungen oder Atembeschwerden einhergeht und nicht spezifisch durch eine verbale Diskussion ausgelöst wird.
- Antwort F (Professionelle Distanz) beschreibt ein Zielverhalten, keinen körperlichen Zustand. Professionelle Distanz bedeutet, sachlich zu bleiben und sich nicht emotional provozieren zu lassen. Die beschriebenen Symptome zeigen jedoch, dass die emotionale und körperliche Beteiligung gerade sehr hoch ist.
Aus rechtlicher Sicht ist die Stressbewältigung auch im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verankert. Gemäß § 5 ArbSchG muss der Arbeitgeber auch psychische Belastungen beurteilen. Für Sie als Sicherheitskraft ist es wichtig, diese Signale zu kennen, um nicht die Beherrschung zu verlieren. Ein Kontrollverlust könnte zu einer Überschreitung der Notwehrrechte (§ 32 StGB) oder zu einer rechtswidrigen Körperverletzung (§ 223 StGB) führen, wenn Sie aufgrund des Stresses unverhältnismäßig reagieren. Auch die DGUV Vorschrift 1 verpflichtet Versicherte, durch ihr Verhalten Unfälle und Gesundheitsgefahren zu vermeiden – dazu gehört auch der professionelle Umgang mit psychischem Stress, um Fehlentscheidungen im Dienst zu verhindern.
