Ein Sicherheitsmitarbeiter zeigt im Dienst ein dominantes, herablassendes Verhalten gegenüber Kollegen, erteilt unbefugt Anweisungen und reagiert auf sachliche Kritik mit Aggression. Welcher psychologische Mechanismus könnte diesem Verhalten im Rahmen der Lehre vom Umgang mit Menschen zugrunde liegen?
Richtige Antwort: B
Einfache Erklärung
In der Sicherheitsbranche ist das professionelle Auftreten gegenüber Kunden, Gästen und Kollegen von zentraler Bedeutung. Die Frage beschreibt einen Sicherheitsmitarbeiter, der sich dominant, herablassend und aggressiv verhält sowie unbefugt Anweisungen gibt. Psychologisch betrachtet handelt es sich hierbei um die Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen durch ein gesteigertes Geltungsbedürfnis (Antwort B).
Ein Mensch, der sich innerlich unsicher oder unterlegen fühlt, versucht oft, dieses Defizit durch ein übertriebenes Machtgehabe nach außen hin auszugleichen. Er möchte „jemand sein“ und erzwingt sich Respekt durch Dominanz, da er ihn nicht durch fachliche Kompetenz oder natürliche Autorität erlangt. Im Rahmen der Gewerbeordnung (§ 34a GewO) und der Bewachungsverordnung (BewachV) wird jedoch ein sachliches, deeskalierendes und kundenorientiertes Verhalten gefordert. Ein solches Fehlverhalten schadet nicht nur dem Betriebsklima, sondern gefährdet auch die Sicherheit, da Anweisungen ohne Befugnis zu Chaos führen können.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Antwort A: Die DGUV Vorschrift 23 (Unfallverhütungsvorschrift) befasst sich mit der Sicherheit bei Wach- und Sicherungsdiensten. Dominantes oder herablassendes Verhalten hat nichts mit Verantwortungsbewusstsein für den Arbeitsschutz zu tun; im Gegenteil, Aggression erhöht das Unfallrisiko.
- Antwort C: Eine Deeskalationsstrategie verfolgt das Ziel, Spannungen abzubauen. Aggression und herablassendes Verhalten bewirken genau das Gegenteil – sie eskalieren die Situation.
- Antwort D: Fachliche Überlegenheit führt bei professionellen Mitarbeitern zu Souveränität und Gelassenheit, nicht zu Arroganz. Wahre Experten haben es nicht nötig, andere herabzusetzen.
- Antwort E: Hospitalismus beschreibt psychische Schäden durch mangelnde Zuwendung oder Reizarmut (oft in Heimen oder Krankenhäusern). Dies passt nicht auf das aktive, aggressive Dominanzverhalten im Dienst.
- Antwort F: Ein autoritärer Führungsstil setzt voraus, dass man tatsächlich eine Leitungsfunktion innehat. Da der Mitarbeiter hier „unbefugt“ Anweisungen gibt, handelt er gegen seine arbeitsrechtlichen Pflichten und überschreitet seine Kompetenzen, was sogar zivilrechtliche Folgen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) oder strafrechtliche Konsequenzen (z. B. Nötigung gemäß § 240 StGB) haben könnte, wenn er Zwang ausübt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Ein Sicherheitsmitarbeiter ist ein Dienstleister. Er besitzt keine hoheitlichen Rechte wie die Polizei (die sich aus der StPO oder dem Polizeigesetz ableiten). Sein Handeln muss stets im Rahmen der Rechtsordnung, insbesondere des Grundgesetzes (GG) (Schutz der Menschenwürde, Art. 1), und der vertraglichen Vereinbarungen bleiben.
