In einem Gespräch wendet sich Ihr Gesprächspartner aus dem asiatischen Raum ab und vermeidet direkten Blickkontakt. Wie interpretieren Sie dies interkulturell kompetent?
Richtige Antwort: D
Einfache Erklärung
Interkulturelle Kompetenz ist ein zentraler Bestandteil der Ausbildung und Prüfung gemäß § 34a GewO (Gewerbeordnung). Im Sicherheitsdienst triffst du täglich auf Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Diese Menschen bringen verschiedene Kommunikationsstile und Verhaltensnormen mit, die oft von den in Deutschland üblichen Standards abweichen. Ein klassisches Beispiel für solche Unterschiede ist der Umgang mit Blickkontakt (nonverbale Kommunikation).
In der westlichen Welt, insbesondere in Deutschland, gilt direkter Blickkontakt als Zeichen von Ehrlichkeit, Aufmerksamkeit und Selbstbewusstsein. Wer wegschaut, gilt oft als unsicher oder unaufrichtig. In vielen asiatischen, afrikanischen oder auch einigen arabischen Kulturen ist jedoch genau das Gegenteil der Fall: Dort wird es als Zeichen von tiefem Respekt und Höflichkeit gegenüber einer Respektsperson (wie einem Sicherheitsmitarbeiter in Uniform) angesehen, den Blick zu senken oder direkten Augenkontakt zu vermeiden. Es ist eine Geste der Demut.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
- Antwort A (Er lügt) und C (Er hat ein schlechtes Gewissen): Dies sind typische Fehlinterpretationen aus einer rein westlichen Perspektive. Wenn ein Sicherheitsmitarbeiter aufgrund dieser Annahme eine Person härter anfasst oder verdächtigt, handelt er unprofessionell und riskiert eine Eskalation.
- Antwort B (Er ist desinteressiert): Auch dies ist eine Fehlinterpretation. Die Person hört oft sehr aufmerksam zu, zeigt dies aber durch eine körperliche Haltung, die in ihrem Kulturkreis als angemessen gilt.
- Antwort E (Er ist betrunken): Dies ist eine haltlose Unterstellung. Alkoholisierung zeigt sich durch andere Symptome wie Lallen, Schwanken oder Geruch, nicht allein durch das Vermeiden von Blickkontakt.
- Antwort F (Er mag mich nicht): Dies ist eine rein subjektive und emotionale Interpretation, die im professionellen Sicherheitsdienst keinen Platz hat.
Rechtlich gesehen ist hier das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) von großer Bedeutung. Gemäß § 1 AGG darf niemand wegen seiner ethnischen Herkunft oder Religion benachteiligt werden. Wenn du jemanden aufgrund kulturell geprägter Verhaltensweisen (wie dem Blickkontakt) schlechter behandelst, verstößt du gegen das Diskriminierungsverbot. Zudem verpflichtet dich das Grundgesetz (GG) in Artikel 1 (Menschenwürde) und Artikel 3 (Gleichheitssatz), jeden Menschen respektvoll und gleichwertig zu behandeln. Ein Verstoß gegen diese Prinzipien kann nicht nur zivilrechtliche Folgen (Schadensersatz), sondern auch den Verlust deiner gewerberechtlichen Zuverlässigkeit nach § 34a GewO zur Folge haben. Interkulturelle Kompetenz bedeutet also, das eigene Verhalten zu reflektieren und Stereotypen (Vorurteile) abzubauen, um professionell und deeskalierend zu agieren.
