Ein zuvor aufgebrachter Kunde beruhigt sich im Gespräch sichtlich. Er löst seine verschränkte Körperhaltung auf und zeigt seinem Gegenüber beim Sprechen die offenen Handflächen. Wie ist dieses nonverbale Signal im Rahmen der Deeskalation primär zu deuten?
Richtige Antwort: C
In der Sicherheitsbranche ist die Fähigkeit, nonverbale Signale korrekt zu deuten, eine Kernkompetenz gemäß dem Rahmenstoffplan der IHK für die Sachkundeprüfung nach § 34a GewO (Gewerbeordnung). Die menschliche Kommunikation besteht laut wissenschaftlichen Erkenntnissen zu etwa 55 % aus Körpersprache, zu 38 % aus der Stimme und nur zu 7 % aus dem gesprochenen Wort. Wenn ein Kunde seine verschränkte Körperhaltung löst, signalisiert dies psychologisch das Ende einer inneren Blockade oder Abwehrhaltung. Das Zeigen der offenen Handflächen ist ein evolutionär tief verwurzeltes Zeichen für Friedfertigkeit: Es demonstriert dem Gegenüber, dass man keine Waffen führt und nichts zu verbergen hat. Im Kontext der Deeskalation ist dies ein sehr positives Zeichen, das auf eine Entspannung der Situation hindeutet.
Juristisch gesehen ist dieses Verständnis wichtig, da der Sicherheitsmitarbeiter gemäß der Bewachungsverordnung (BewachV) dazu verpflichtet ist, Konflikte nach Möglichkeit gewaltfrei zu lösen. Eine Fehlinterpretation könnte zu einer unnötigen Eskalation führen, was im schlimmsten Fall rechtliche Konsequenzen wie Vorwürfe der Körperverletzung (§ 223 StGB) oder Nötigung (§ 240 StGB) nach sich ziehen könnte, falls der Sicherheitsmitarbeiter aufgrund einer Fehlinterpretation körperliche Gewalt anwendet.
Warum sind die anderen Antworten falsch?
Antwort A ist falsch, da eine taktische Finte meist mit Anspannung und nicht mit einer sichtbaren Entspannung der Muskulatur einhergeht. Antwort B ist unzutreffend, da eine defensive Abwehrhaltung eher durch Distanzvergrößerung oder erneutes Verschränken der Arme ausgedrückt würde. Antwort D (Unterwürfigkeit) geht zu weit; Offenheit bedeutet Gleichberechtigung im Dialog, keine totale Unterwerfung. Antwort E ist falsch, da Fluchtbewegungen sich meist zuerst in der Beinstellung (Wegdrehen der Füße zum Ausgang) ankündigen. Antwort F ist falsch, da das Zeigen der Handflächen eine aktive Zuwendung zum Gesprächspartner darstellt, was das Gegenteil von Desinteresse ist. Als Sicherheitskraft müssen Sie stets die Verhältnismäßigkeit wahren und auf solche Signale mit einer ebenfalls offenen, aber professionell-wachsamen Haltung reagieren, um den Deeskalationserfolg zu sichern.
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